Corona. Wir müssen reden. JETZT.

Corona, wir müssen reden. JETZT.

Was hast Du dir denn eigentlich dabei gedacht? Hast Du denn kein Mitleid mit uns Müttern? Ja, ich spreche NUR von uns. Als ob unser Alltag OHNE Dich nicht schon stressig genug wäre. Wir, die eierlegenden Wollmilchsäue der Gesellschaft, die alles gleichzeitig wuppen. Wir, die den Begriff „Multi-Tasking“ erfunden haben, sind so langsam aber sicher am Ende. Mit Dir, mir den anderen und überhaupt.

Was zunächst als großes Abenteuer (UUUUHHH! Fünf Wochen keine Schule und Kita!!) begann, entpuppt sich bereits jetzt nach 2,5 Wochen als:

  • Survivaltraining Training (WER HAT DIE LETZTE ROLLE KLOPAPIER AUS DEM SCHRANK??)

  • Boot Camp (mit uns in der Rolle des permanent nörgelnden, schimpfenden, brüllenden Instructors)

  • HEIM-Unterricht (ÄH – sorry: ICH wusste, warum ich weder Erzieherin, noch Lehrerin werden wollte, denn ich habe einfach nicht die Geduld, geschweige denn die Nerven dafür)

  • One-(WO)man Kochshow (Oh Entschuldigung, ich vergaß, wie schön die Küche aussieht, wenn ALLE anderen „mithelfen“, so wie DU es dir eigentlich vorgestellt hast)

  • Hausmeister Service (oder warum weiß immer nur ich, wo neue Glühbirnen, der Hammer oder OH SCHRECK – der Staubsauger – sind?)

  • 24/7 Seelsorge inkl. Tränen wischen, Festhalten bei Wutausbrüchen (vor allem sich selber ZURÜCKhalten 😉 , Berufsberatung (ich bin mittlerweile EXPERTIN zu dem Themen Kurzarbeit und Fördergeld) und Social Media Marketing)

  • Hardcore Schulung zum Thema „Paartherapie“. (Ich wette lieber Corona, DU hast keinen Partner zuhause, der jetzt auch noch unterhalten werden will.)

Apropos Unterhaltung. Lieber Corona (ich nehme an Du bist männlich, denn ein weiblicher Virus hätte uns das alles nicht angetan), ich möchte von Dir wissen, ob ich denn (wenn Du denn mal wieder verschwindest) eigentlich auch was zurückbekomme?

Ich meine damit nicht ein „Ohhhh DANKE, Mama!“ . Ich spreche von einem 14tägigen Aufenthalt in einem Schweigeorden mit 5-Sterne Wellness Bereich, Essen, das MIR serviert wird, einem eigenen Zimmer, das von anderen aufgeräumt wird, und Menschen, mit denen ich nichts gemeinsam habe, außer dem Bedürfnis nach Schweigen. Schweige-Quarantäne sozusagen. Bekomme ich nicht? Verdammt. Ob ich nicht dankbar bin, für den „neuen Zusammenhalt“ die „Entschleunigung“ und die neue „Hilfsbereitschaft“? Moment, da versteh ich ja schon die Frage nicht.

Weißt Du wofür ich dankbar bin? Für unseren Garten. Für den Platz, den wir haben. Für keinen Regen, um rausgehen zu können und für jeden Bissen frisches Gemüse, das mein Kind ohne Murren isst. Denn auch diesen undankbaren Job muss ich ja jetzt machen: KOCHEN. Und zwar am liebsten…. na, na, na? Richtig. Nudeln. Und Fleisch. Oder Wurst. Ohne alles. Lecker. Oder Ketchup. Gut. Für Wurst ohne alles muss man nicht kochen. Aber ich muss viel mehr einkaufen gehen. Und damit ich auch noch politisch korrekt einkaufe, am Besten auf dem Markt, zum alteingesessenen Bäcker und zu Metzger. Denn die leiden ja bekanntermaßen unter den Supermärkten, wo es alles auf einmal gibt.

Also fahr ich gerne 2 Stunden in der Gegend rum (denn dort wo ich wohne haben wir leider nicht alles auf einem Fleck) und unterstütze die Kleinen. Mach ich wirklich gerne (und ich hab mal 2 Stunden meine Ruhe und kann im Auto MEINE Musik hören. Laut. Sehr laute aggressive Metal Musik. Und Punk. Irgendwas, wo man Lust bekommt auf etwas drauf zuhauen. Ich spreche von Gegenständen. Natürlich.)

Zurück zum Thema. Ja, ich unterstütze das echt. Wir lassen Essen liefern, wir gehen Essen holen, ich bestelle alle Ostergeschenke im örtlichen Einzelhandel und schreibe Karten und Briefe an Menschen, die sonst nie echte Post von mir bekommen hätten. Aber lieber Corona – wird das denn anhalten? Denn vorher war es auch ok, finde ich.

Der Punkt ist halt: Hätte ich IMMER so viel Zeit wie jetzt (und die habe ich ja auch nur deswegen weil mein Mann und ich in Kurzarbeit sind und so gut wie nicht arbeiten), würde ich es auch so machen. Wahrscheinlich. Weiß ich aber nicht, denn leider muss ich im normalen Leben, das zum Glück ohne Dich stattfindet, arbeiten gehen, um das Leben zu bezahlen, das wir führen. UND jetzt kommen wir zum Punkt. Hast Du Vollpfosten dir eigentlich jemals Gedanken um die gemacht, die sich den „neuen Zusammenhalt“ , die „Entschleunigung“ und „Hilfsbereitschaft“ schlicht und ergreifend nicht leisten können?

Die Alleinerziehenden, die Geringverdiener (wovon es in diesem Land mehr gibt, als diejenigen, die jetzt über die „neuen Chancen für die Gesellschaft“ reden und quasi dankbar sind für die Veränderungen, die Du uns gebracht hast….), die Menschen, die mehr als zwei Jobs brauchen, um sich und ihre Familie zu ernähren. Die sch… auf Entschleunigung, sag ich Dir.

SO. Jetzt kannst Du dir ja über Ostern in aller Ruhe überlegen, was Du mit uns machst. Willst du uns ernsthaft weiter erziehen oder dürfen wir wieder in unseren Alltag zurückkehren? Wir versprechen Dir auch, dass

  • wir geduldiger mit uns und unseren Mitmenschen sein werden (bis zu den nächsten Ferien)

  • wir ALLE GESCHLOSSEN für bessere Löhne in unterbezahlten Berufen demonstrieren werden (falls wir vor lauter Entschleunigung noch unseren Hintern vom Sofa hochbekommen)

  • wir nun besser auf uns aufpassen (Mundbedeckung forever)

  • wir niemanden mehr diskriminieren (denn wer von Dir infiziert wurde, kann einem nur leid tun)

  • wir endlich wieder lieb miteinander kommunizieren (oder WTF glaubst Du eigentlich wer Du bist, Du *dssdfda#djei%)

  • wir daran arbeiten auch nach 21 Uhr eine leidenschaftliche, gut aussehende, kommunikative und gut gelaunte Frau zu sein, die sich nichts mehr wünscht, als eine angeregte Unterhaltung mit ihrem Gatten über den arbeitsreichen Tag, den er heute hatte (oh – sorry. Daran arbeiten wir natürlich auch ohne Dich!).

Du siehst. Ich habe aus Dir gelernt. Vor allen, wie dünn mein Geduldsfaden, wie kurz meine Zündschnur ist und wie dankbar ich für Schweigen sein kann. Was Du uns zeigst ist, wie dankbar wir für Menschen sein sollten, die mit uns durch dick und dünn gehen (und die am Ende noch mit uns verheiratet oder verwandt sein wollen). Und für Freunde (die uns ECHT vermissen).

Also lieber Corona, Du siehst, Du kannst jetzt gehen – Wir sind bereit für ein Leben ohne Dich.

Ciao, Servus und Baba und vor allem auf Nimmerwiedersehen!

Deine Claudia

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